Anpassen von Sinterbuchsen (unsere SIM- und SIAL-Buchsen)

Sinterbuchsen klemmen oder sind etwas schwergängig. Das Problem tritt leider gelegentlich auf. 

Ich kalibriere Sinterbuchsen auf Smalltec-Wellen vor, jedoch kann es trotzdem vorkommen, dass die auf euren Wellen etwas schwer gehen.
Schuld daran ist ggf. die Lage meiner und eurer Wellen am jeweils anderen Ende des Toleranzfeldes oder ungünstige Behandlung der Sendung bei dem Transportunternehmen. 

Wenn das der Fall ist bitte auf keinen Fall mit einer Reibahle die Buchsen innen ausreiben! Damit zerstört ihr die Buchsen in den meisten Fällen.

Das hängt mit der Beschaffenheit des Sintergefüges zusammen. 
Sinterlager bestehen meist aus 2-3 Materialien, beispielsweise 90% Bronze und 10% Zinn. Das Pulvergemisch wird gepresst und dann gebacken.
Im Gegensatz zu einer kompakten Legierung entsteht so ein poröses Gefüge, bei dem die Bronzekörnchen sozusagen an Ecken und Kanten miteinander verlötet sind.
Geht man hier nun mit einer Reibahle durch, nimmt man keine Späne ab sondern bricht in den meisten Fällen ganze Körner aus dem Gefüge heraus.
Die Fläche, die so entsteht gleicht unter dem Mikroskop einer Mondlandschaft, wobei die entstandenen Spitzen durch druck komprimiert oder durch Reibung sehr schnell abgetragen werden.
Soll heißen, dass selbst wenn die Buchse im ersten Moment perfekt passt, wird sie sehr schnell großes Spiel bekommen.

Die richtige Vorgehensweise ist die Buchse in eingebautem Zustand (in Sleeves sind sie bereits "verbaut") auf die zugehörige Welle zu stecken und zu prüfen. Ist sie nicht extrem leichtgängig bei sehr geringem (nahezu unmerklichem) Spiel, so wird sie auf der Welle steckend mit einem Kunststoffhammer durch leichte Schläge angepasst. Dadurch komprimiert sich das Sintergefüge etwas mehr und die Buchse passt sich der Welle an.
Aber nicht zu stark zuschlagen, sonst bekommt man eine Ei-Form oder haut die Buchse einfach nur platt. 
Die Schläge an mehreren Stellen des Umfangs wiederholen, bis die Buchse die gewünschte Leichtgängigkeit erreicht hat.

Auch wenn euch andere Leute "vom Fach" empfehlen mit einer Reibahle durchzufahren, bitte einfach ignorieren. Leider ist diese Vorgehensweise vielen "vom Fach" eher unbekannt.

Hier die genaue Vorgehensweise:

1) Die Buchse auf die Welle stecken und das ganze am besten auf 2 Auflagepunkten lagern, so dass die Buchse frei in der Luft hängt. Hier zu dienen z.b. ein Schraubstock oder 2 Flacheisen oder ähnliches. Sollte nur möglichst fest sein, damit es nicht nach gibt.
2) In höhe der Sinterbuchsen leichte Schläge mit einem Schonhammer (Kunststoffhammer oder Kupferhammer) geben. Der Hammer sollte dabei mit der kompletten Kopffläche auf die Buchse auftreffen, nicht in einem Winkel.
3) Überprüfen durch mehrmaliges verschieben der Buchse auf der Welle. Ist noch keine Besserung eingetreten, die Buchse auf der Welle um ca. 30° drehen und Prozedur wiederholen, bis das gewünschte Ergebnis erzielt ist. 

Achtung: beim Klopfen auf die Hülse kann durch das komprimieren des Sinterwerkstoffes etwas Öl aus dem Gefüge gedrückt werden. Das ist nicht weiter schlimm; jedoch ist es recht dickflüssig und kann somit die Buchste beim verschieben schwergängiger erscheinen lassen als es der Fall ist. Daher mehrmals die Buchse über wenigstens 100mm auf der Welle vor- und zurückschieben zum probieren, damit sich das Öl verteilen kann.

Beispielbild:

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