"Idealer" Aufbau eines Druckbettes

 

Über das Thema "Druckbettaufbau" streiten sich die Geister, aber auch in jeder 3D-Facebook-Gruppe wird ständig darüber diskutiert und gestritten.
Meine Variante ist nicht zwingend die "einzig richtige", aber sie bietet alles, was zu einem guten Drucker und dem Druckerfolg gehört.

Ich persönlich benutze als Basis gerne eine feingefräste Aluminiumgussplatte. Diese erfüllt gleich 2 Zwecke:
- Absolut Ebene Oberfläche
- sehr gute Wärmeverteilung

Darunter kommt eine Silikonheizmatte. Idealer Weise hat diese wenigstens 0,5W/cm² (wenn man auch ABS und ähnliches bei 120° Betttemperatur drucken möchte, für 60-80° sind 0,3W/cm² ausreichend).

Der Thermistor sollte nicht in der Matte integriert sein, sondern in die Alugussplatte eingeschraubt werden. Man möchte ja nach Möglichkeit die Oberflächentemperatur des Druckbettes wissen, nicht die Temperatur innerhalb der Heizmatte. Mit dem Thermistor in der Aluplatte ist man der Oberfläche zumindest am nächsten.

In einem Offenen Bauraum macht es Sinn, die Silikonheizmatte bzw. das Bett von unten zu Isolieren. Hier wird gerne Kork genommen; allerdings ist Kork auch nur Rinde und damit brennbar. Die Isoliereigenschaften sind auch nicht ganz so gut, wie man glauben möchte. 
Hier kann man sehr gut eine Mineral- Glas- oder Keramikfasermatte nehmen. Diese sind zumeist unbrennbar und isolieren hervorragend.
Im geschlossenen Bauraum ist die Isolation nur mäßig sinnvoll, da man bei den meisten Materialien gerne eine Bauraumtemperatur zwischen 40-70° möchte und bei einem isolierten Bett dann um so mehr beiheizen muss.

Und nun das Streitthema schlecht hin: Was tue ich auf die Alugussplatte?

Manche schwören auf diverse (teils überteuerte) Dauerdruckplatten, andere nehmen gerne eine Glasplatte und schmieren Weißleimmilch, Haarspray oder sonst was drauf.
Am günstigsten und einfachsten, sowohl von der Handhabung als auch vom Halt beim Drucken ist eine 0,5-1mm Pertinax-Platte (neben anderen Lösungen, auf die ich hier aber nicht eingehe).
Pertinax am besten auf der Druckseite anschleifen und mit 3M 467MP oder 468MP auf die Alugussplatte kleben.
Wenn man nun den Abstand zwischen Düse und Oberfläche gut eingestellt hat, lösen sich die Druckteile nach dem erkalten der Platte von alleine. Während dem Druck halten sie bombenfest auf der Platte.

PLA hält gerne auch mal etwas fester. Hier hilft es, die Düse ein klein wenig weiter weg vom Bett zu stellen. 
Flex-Materialien halten gern auch etwas zu gut auf Pertinax. Hier empfiehlt es sich den ersten Layer oder ein Raft aus PLA zu drucken. Ist das keine Lösung, hilft auch etwas Haargel (billigst-Marke) dünn auf dem Pertinax verteilt.

Das Pertinax lässt sich mit Isopropanol sehr gut reinigen. Reicht dies nicht, um die Haftung wieder herzustellen, einfach mit 120-er Schleifpapier ein paar mal "drüberwischen". Das reicht dann aus.

Nun kommen vermutlich wieder diverse Rufe "ja, Pertinax, wenn man Formaldehyd in der Wohnung mag..." - das ist reine Panikmache oder Unwissen / veraltetes Wissen.
Früher wurde Pertinax/Hartpapier gerne mit Formaldehyd hergestellt, das geht aber seit den '80er Jahren nicht mehr.
Ich habe mich diesbezüglich auch mit dem Hersteller in Verbindung gesetzt. Laut dessen Aussage gast Pertinax keine gefährlichen oder gesundheitsschädlichen Stoffe aus.

Soviel zum Druckbett selbst. Natürlich bringt das beste und ebenste Druckbett nichts, wenn es falsch aufgehängt wird. Eine stabile Z-Plattform (oder bei Anet/Prusa-Druckern Y-Plattform) ist natürlich ebenso wichtig.
Ist beides vorhanden, braucht man bei kartesischen Systemen auch kein Autobedleveling oder ähnliches. Wenn das Bett dann einmal ordentlich gelevelt ist, kann man blind einen Druck starten, ohne Angst haben zu müssen, dass der erste Layer aufgrund zu hohen Abstands oder unsauberer Ausrichtung nicht hält.

Hier noch ein Beispiel, wie der Bettaufbau aussehen sollte (ohne Isolation):

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 Von oben nach unten:
-Pertinax (mit 3M 467MP)
-feingefräste Alugussplatte + Schrauben
-Silikonheizmatte (ebenfalls mit 3M 467MP)
-Unterlagscheibe
-Kontermutter
-Feder
-Z-Plattform/Y-Plattform
-Unterlagscheibe
-Rändelmutter

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